Tendenziell halte ich mich in Hinblick auf kritische Äußerungen gegenüber der Schule eher zurück. Dies hat verschiedene Gründe: Zum Einen habe ich selbst lange als Lehrerin gearbeitet und kenne daher die strukturellen Einschränkungen sehr gut. Außerdem habe ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis viele engagierte Lehrerinnen, die wirklich täglich ihr Bestes geben. Doch in der letzten Zeit hatte ich im Rahmen meiner Arbeit als Lerntherapeutin verschiedene Erlebnisse, bei denen ich mich wirklich gefragt habe, was eigentlich gerade in der Schule schief läuft.

1mal1 lernen

Wenn auch “ganz einfache” Aufgaben nur zählend gelöst werden können…

dann ist das auf jeden Fall ein Signal, auf das ihr als Eltern achten solltet.

Erst kürzlich hat sich eine Mama bei mir gemeldet, deren Tochter in der zweiten Klasse ist: Nach Ansicht der Mutter habe ihre Tochter Probleme im Mathe, auch wenn die Lehrerin eigentlich keinen Handlungsbedarf sehe.
Ich lerne das Mädchen kennen und mache einige erste Übungen mit ihr. Dabei fällt mir auf, dass das Kind auch einfachste Plusaufgaben im Zahlenraum 20, wie Plusaufgaben der Form +2 (4+2, 6+2) Ende der zweiten Klasse nur zählend lösen kann. So “rechnet” sie die Aufgabe 4+2, indem sie zählt ..5, 6.
In diesem Zusammenhang frage ich mich wirklich, wie die Lehrerin die Rechenprobleme dieses Mädchens scheinbar übersehen konnte.

Insbesondere, wenn ich an die Anforderungen in Klasse 3 denke:

  • Rechnen im Zahlenraum 1000
  • schriftlich Plus- und Minusrechnen
  • halbschriftlich Mal- und Geteiltrechnen

ist mir absolut schleierhaft, wie das Mädchen dies nächstes Schuljahr ohne gezielte Unterstützung hätte bewältigen sollen. Glücklicherweise waren hier die Eltern aufmerksam und haben der Aussage der Lehrerin keinen großen Glauben geschenkt.

Wenn dein Kind immer die Malreihen hochzählen muss…

dann kann es die Aufgaben des kleinen 1mal1 nicht!

Auch in diesem Kontext hatte ich kürzlich ein ernüchterndes Gespräch mit der Lehrerin einer Schülerin aus meiner Lerntherapie.
Nach Einschätzung der Lehrerin habe das Mädchen keine so großen Schwierigkeiten in Mathe: Malrechnen ginge ganz gut, nur die schriftlichen Rechenverfahren bereiten dem Kind noch Probleme.

In der Lerntherapie erlebe ich jedoch, dass dieses Mädchen alle, wirklich alle Aufgabe des kleinen 1mal1 nur lösen kann, indem es die Malreihen hochzählt.

Nach diesem Gespräch habe ich mich gefragt, weshalb inzwischen die Beurteilung eines Tests so oft der Beobachtung und Beschreibung von mathematischen Kenntnissen vorgezogen wird.

Doch so wie ich erlebt habe, dass Rechenprobleme von der Schule (von der Lehrerin) einfach nicht wahrgenommen, bzw. ernst genommen werden, so habe ich ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass auch Fortschritte oft nicht erkannt werden.

Wenn Fortschritte nicht gewürdigt werden…

verliert dein Kind sein Vertrauen in die eigenen Leistungen.

Ein Mädchen, das ich bereits länger in der Lerntherapie begleite, erhielt kürzlich eine sehr ernüchternde Verbalbeurteilung. Obwohl das Kind inzwischen eine sehr gute Orientierung im Zahlenraum hat, sicher Kopfrechnen kann und ein gutes logisch-mathematisches Verständnis entwickelt hat, legte die Verbalbeurteilung ihren ganzen Fokus auf Unsicherheiten bei der Anwendung einzelner schriftlicher Rechenverfahren.

Hier hätte ich mir einen differenzierten Blick auf die Leistungen des Kindes gewünscht. Denn das Mädchen hat wirklich große Fortschritte gemacht. Doch nach dieser einer Verbalbeurteilung hat sich wieder das alt-bekannte Muster in ihr gefestigt: ich bin schlecht in Mathe.

Die Beobachtung der Eltern wird immer wichtiger

Diese Erfahrungen in den letzten Wochen haben mich in meinem Ansatz bestärkt, dass es scheinbar immer wichtiger wird, dass sich auch Eltern ernsthaft mit den mathematischen Kenntnissen ihrer Kinder auseinander setzten. Denn wenn Rechenprobleme in der Schule nicht erkannt und Fortschritte nicht gewürdigt werden, dann seid ihr die einzigen, die eure Kinder entsprechend unterstützen werden.

 

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